Updates
13.12.2004: neue Bauwerke (Friedhofskapelle Reideburg und Pfarramt Gesundbrunnen) und neue Bilder (6 der St. Marien Silberhöhe, 8 der St. Gertrauden Reideburg, eins der Heilandskirche) - entrümpelt: St. Norbert, Unikliniken
10.12.2004: neue Bilder St. Elisabeth (Glaucha) und Stephanuskirche (und beide entrümpelt)
23.10.2004: Datei entrümpelt (zahlreiche neue Bilder u.a. Johanneskirche, Lutherkirche, Beesen, Büschdorf, Diemitz, Glaucha, Nietleben-Granau und dafür alte gelöscht z.B. bei Dom, Glaucha, Marktkirche, Nietleben) - neu hinzu kamen die Friedhofskapellen von Büschdorf und Kröllwitz, die Kapelle des Elisabethkrankenhauses (Glaucha), das Krematorium auf dem Gertraudendfriedhof (Frohe Zukunft) und die Kapelle der Giebichenstein-Oberburg
Sammelbilder: jeweils ausgewählte Bilder zu einem Baustil
- Die gotischen Ordens-Kirchen von Süd-Osten (animiertes GIF; 87KB)
- katholische Kirchen des 20. Jahrhunderts mit zentralistischer Tendenz (v.l.n.r.: Zur heiligsten Dreieinigkeit 1929/30, Maria Königin des Friedens 1998, St. Marien Silberhöhe 1984)
- romanische Dorfkirchentürme (v.l.n.r.: 1. & 3. Reihe je Dölau & Neumarkt; 2. Reihe: Lettin, Reideburg, Radewell, Trotha)
- alle Kirchen des Historismus (Info)
- Kirchen des Historismus im Detail (Info)
Bilanz der 41 Kirchen: (ohne die Gemeindehäuser in der Schulstraße und am Diesterweg, die methodistische und die neuapostolische Kirche sowie die drei jüdischen Bauten (Synagoge, Synagogendenkmal und Feierhalle)
Die Ortsteile Glaucha, Neumarkt (im frühen 19. Jh.), Giebichenstein, Kröllwitz, Trotha (1900), die Stadt Ammendorf (inkl Radewell, Osendorf und Beesen), sowie die Dörfer Büschdorf, Diemitz, Dölau, Kanena, Lettin, Mötzlich, Nietleben, Reideburg, Seeben und das Doppeldorf Wörmlitz-Böllberg (alle 1950) wurden erst innerhalb der letzten 200 Jahre eingemeindet.
Die 35 historischen Kirchen (also jene vor 1945) findet man auch im Denkmalverzeichnis unter: http://www.denkmal.de/sa/halle/index.phtml?action=req_cat&id=37.
Die Sitzplatzzahlen der Kirchen stammen aus dem Stadtkirchenkreis-Führer von 1966, könnten sich also schon geändert haben. Ich habe mich entschieden, sie mit aufzunehmen, damit man sehen kann, wie groß einige der Kirchen sind.
Die Kirchen/Klöster
weitere Sakralbauten
Da ich nicht genau klären kann, welche der Bauten nun Feier-/Leichen-/Einsegnungshallen und welche Friedhofskapellen sind, habe ich mich dafür entschieden, hier jene aufzunehmen, die auf einem separaten Friedhof stehen und sie allesamt als Friedhofskapellen bezeichnet. Desweiteren gehören in diese Rubrik Bauten nichtchristlicher Religionen und Kapellen aller Art.
noch nicht fotografierte Kirchen: Friedenskirche (Ludwig-Wucherer-Straße) (Link führt zu einem schwarz-weiß Bild im Denkmalverzeichnis der Stadt Halle)
vermutlich nicht fotografieren werde ich: die Gotteshäuser der zahlreichen Religionsgemeinschaften (über 25; meist in normalen Wohnhäusern oder Geschäften)
In Halle gibt es heute 33 evangelische (inklusive der ehemalige Anstaltskirchen der Unikliniken, Irrenanstalt Nietleben, Diakonie Mühlweg), eine noch aktive Franziskaner-Klosterkirche (Zur Heiligsten Dreieinigkeit am Lutherplatz) und sieben katholische Kirchen Kirchen (St. Moritz, Hl. Kreuz, Propsteikirche St. Franziskus und Elisabeth Glaucha, Maria Königin des Friedens Dölau, St. Marien Silberhöhe, St. Norbert Giebichenstein und St. Hedwig Osendorf) sowie eine Synagoge (Humboldtstraße), eine jüdische Feierhalle (Frohe Zukunft) und das Portal der einstigen Synagoge am Großen Berlin. Mehrere Kirchen sind profaniert (St. Ulrich als Konzerthalle, Stephanuskirche als Bücherlager, Unikliniken-Kirche als Lager) oder Ruine (Kirche Irrenanstalt Nietleben auf dem Weinberg, Granauer Dorfkirche). Nicht mit eingerechnet sind die zahlreichen Kapellen, wie z.B. Friedhofskapellen/Leichenhallen (Südfriedhof, Nordfriedhof, Ammendorf, Mötzlich, Giebichenstein ...), Burg- (St. Maria Magdalena Moritzburg und Allerheiligen-Kapelle Neue Residenz) und Hospital-/Anstaltskapellen (St. Cyriakus Glaucha, Kapelle der Psychiatrischen Klinik/Nervenklinik Julius-Kühn-Straße, Paul-Riebeck-Stift-Kapelle). Zudem gibt es auch Gemeindehäuser (z.B. Diesterweg). Daneben existieren über 25 Religionsgemeinschaften. Diese haben oft eigene Gebäude (Armenische Apostolische Kirche, Islamische Gemeinschaft etc.), seltener eigenerrichtete Gebetsbauten (Neuapostolische Kirche in der Robert-Franz-Straße, Königsaal der Zeugen Jehovas in der Köthener Straße, Methodistische Kirche Schulstraße).
Halle ist um 1280 der Hanse beigetreten. Die Bürger bekamen schon 1263 weitgehende Freiheiten und erreichten 1310 die volle Autonomie vom Erzbischof, die sie aber nach Bündnissen mit Bürgern anderer Städte (u.a. Magdeburg) und Fehden gegen den Erzbischof wieder verloren haben. Später wurde die Stadt Hauptstadt des Herzogtums, und 1680 fiel man an Brandenburg-Preußen. 1683 vernichtete ein verheerender Brand große Teile der Stadt...
Etliche Kirchen, Kapellen und Klöster aus Halles Geschichte existieren heute nicht mehr. Auf dem heutigen Gebiet der Stadt Halle gab es mindestens sieben Ordenskirchen, vier Pfarrkirchen und um die 30 Kapellen! So hatte Halles Altstadt früher eine St. Ulrichskirche, welche 1210 erbaut und 1531 abgeschliffen wurde. Sie befand sich ungefähr dort, wo die Kleine Steinstraße in den Stadtring mündete. Auf dem heutigen Markt gab es zwei Kirchen (St. Marien und St. Gertrud), die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu einer zusammengebaut wurden, wodurch das Patrozinium "St. Gertrud" in dem der "St. Marien" aufging.
Das Zisterzienserinnenkloster Marienkammer (camera sancte Marie), welches die Georgskirche von Glaucha als Klosterkirche nutzte und das einzige Frauenkloster auf dem heutigen Gebiet der Stadt war, wurde Ende des 12. Jh. hier gegründet. Die Anfänge vermutet Angelika Mähl im Jahr 1180, sicher kann man sie ab 1231, dem Jahr des Erwerbs St. Georgs (durch ein Tauschgeschäft mit dem Kloster Neuwerk) fassen. 1557 wurde es aufgehoben und ist seit 1876 Standort des Hospitals "St. Cyriaci et Antonii". Dieses entstand durch die Zusammenlegung zweier Hospitäler. Die romanische Klosterkirche brannte 1740 ab und die letzten Klosterbauten wurden 1825/26 abgebrochen. Die Deutschordenskommende St. Kunigunde wurde 1200 gegründet und gilt als erste deutsche Niederlassung dieses Ritterordens, da sie nur zehn Jahre nach dessen Entstehung erbaut wurde. Die Kommende befand sich vor dem Klaustor, also westlich der Stadt und besaß neben dem Hospital St. Kunigunde, aus dem sie wohl entstand, die Kapelle St. Elisabeth. Die Kommende hielt sich bis 1511, obwohl sie oft von Überschwemmungen betroffen war, welche teilweise das mit dem Mühlenmonopol ausgestattete Kloster Neuwerk auslöste. Der Entschluß zum Umzug nach Thüringen (Gut Liesten bei Zwätzen) wurde bereits 1507 gefaßt, doch der Streit um die Besitzungen zog sich in die Länge. Schließlich bekam der Rat den Platz samt der Gebäude, Neuwerk hingegen die Güter. Bereits 1512 ließ der Rat alle Gebäude, mit Ausnahme der Kapelle, abreißen.
1116 entstand das Augustiner-Chorherrenstift St. Alexander "Zum Neuen Werke" (ad novum opus). Es befand sich auf halbem Weg zwischen der Stadt und Giebichenstein nördlich der Vorstadt Neuwerk. Bei der Gründung werden die Kirchen St. Gertrauden und St. Nikolai sowie die St. Georgs-Kapelle in Glaucha dem Kloster zugewiesen, die Bestätigungsurkunde (1121) erwähnt neben der "parrochiam in Halla" (möglicherweise St. Marien) die Kapellen St. Aegidien, St. Pauli und St. Lamberti, sowie die inzwischen herabgesunkene St. Nikolai. Zudem tauchen 1121 die Kirchen von Mötzlich (Motzelicz) und Trotha (Trote) auf. Ob "sancti Ioannis baptistae Chroce" (1116) schon Trotha meint ist unsicher, zumal das Patrozinium (St. Briccius) damit nicht übereinstimmt. 1214 gelangen die Kapelle St. Peter und die Kirche St. Ulrich ans Kloster, bereits 1182 die St. Margarethen-Kapelle des Giebichensteins. Das Stift wurde 1531-33 abgetragen und zum Bau der "Neuen Residenz" verwendet. Es hatte angeblich die zweitgrößte Glocke des damaligen Deutschen Reiches, der magische Kräfte wie z.B. Teufelsaustreibung und Erlösung der Seelen aus dem Fegefeuer nachgesagt wurde.
Auf dem Geländes zweiten Augustiner-Chorherrenstifts St. Moritz, gab es das Johannes-Hospital (1220 gegr.), einen Friedhof, mehrere Klostergebäude und zwei Kapellen (Hl. Grab und St. Johannis). Zudem gehörte die St. Michaelis-Kapelle am Alten Markt zum Stift, welches an der Moritzkirche entstand und diese 1184 einverleibte. Die Klosterkirche des Moritzstifts blieb zugleich Pfarrkirche und wurde in der 1. H. 16. Jh. (1520-41) von den umgesiedelten Dominikanern in Nutzung genommen.
Im Verlauf des 13. & 14. Jh. kamen die die Bettelorden "Franziskaner" (um 1240? - spätestens 1296, aber schon 1270 Anzeichen in Schöffenbüchern), "Dominikaner" (1271) und "Marienknechte" hinzu. Doch ihre Kirchen verschwanden, mit einer Ausnahme, im Laufe der Geschichte. So wurde die Dominikaner-Klosterkirche 1523-26 zum Dom umgebaut, und auf dem Gelände der Franziskaner-Klosterkirche der Barfüßer (schon ab 1565 als lutherisches Stadtgymnasium genutzt und 1828 abgerissen) wurde im 19. Jahrhundert der Universitätsplatz erbaut. Einzig die Kirche der Marienknechte (Serviten) ist noch erhalten. Sie übernahm das Patrozinium der "St. Ulrich"-Kirche (daher von mir "Neu-St. Ulrich" genannt) und wird heute als Konzerthalle genutzt.
Interessant ist hier bei vor allem die Geschichte der Franziskaner, die (nach Teichmann, der in seinem Werk alle Klöster östlich der DDR/BRD-Grenze (1949-90) behandelt) viermal in Halle versuchten Fuß zu fassen. Das erste Mal waren sie zwischen dem 13. Jh. (ungewiss wann zwischen 1240 und 1296) und 1564 in der Stadt präsent. Sie nutzten zu dieser Zeit auch eine Terminei (Herberge) in Könnern zur Ausübung ihrer Bettelei. Das zweite Mal mißlang recht schnell (1624-31), das dritte Mal dauerte von 1712 bis 1830, und seit 1920 sind sie wieder dauerhaft anwesend und besitzen eine eigene Klosterkirche am Lutherplatz. Beide Klöster (Uni-Platz: Barfüßerkloster mit einer schlichten Kirche mit kleinem Turm und Friedhof; Lutherplatz: Zur Heiligsten Dreieinigkeit) und auch die Missionsstation der dritten Phase wurden durch die sächsische Ordensprovinz errichtet, doch seit 1945 wird es von ehemals schlesischen Mönchen betrieben.
Ebenso faszinierend ist die Geschichte der Marienknechte. Dieser Orden wurde erst 1424 offiziell zum Bettelorden, doch er erhält schon vorher vom Erzbischof von Merseburg das Recht in seiner Diözese zu sammeln. Bereits 1274 schliessen sich zwei kirchliche Einrichtungen (die Eremitenkapelle unterhalb des Giebichensteins und ein kleines Kloster aus Ammendorf) dem Orden an. Sie ziehen um 1300 vor das Galgtor und 1339 erfolgt dann der Umzug in die Stadt, wo sie eine St. Maria-Kirche gründen, die heute St. Ulrich heißt.
Das Dominikanerkloster gehörte zusammen mit 46 anderen zur Provinz Sachsen und wurde um 1271 gegründet (inschriftliche Überlieferung). Es hatte neben Kloster, Friedhof und Kirche eine Bibliothek. Neben den Hospitälern mit Kapellen gab es noch die evangelisch-reformierten Hospitäler "Zur Christlichen Liebe" auf dem Neumarkt (1813 eingegangen) und "Teutsches Hospital Zur Erbarmenden Liebe" vor dem Steintor (1827 mit dem französisch-reformierten Armenhaus auf dem Strohhof vereinigt - Gebäude zum 1. Arbeitsamt der Stadt gemacht) sowie ein Beguinen-Kloster (1790 zum Schauspielhaus gemacht, aber solches nie genutzt).
Diese Kapellen sind aus dem Stadtbild verschwunden:
| Name der Kapelle | Lage/Funktion | Ersterwähnung/geschätztes Alter | wann/wie verschwunden |
| Zum Hl. Grab (auch "St. Sepulchri im Thale") | an der Gasse vor dem Moritzkirchhof (zwischen Moritzkirche und Hallmarkt) | 1326 erbaut | --- |
| St. Aegidii | unbekannt (wahrscheinlich an einem der Märkte) | 1121 (EEW) | --- |
| St. Alexanderi | auf der Strohhofinsel vor dem Klaustor (heute Bebauungsgebiet "Spitze") | --- | --- |
| St. Annae | nördlich der Gustav-Anlauf-Straße (im heutigen Gebiet zwischen Ratshof und Landgericht) | --- | 1575 verschwunden (bereits profaniert) |
| St. Lamberti | am Kornmarkt (im Häuserblock Markt, Kleinschmieden, Schlamm, Kühler Brunnen) | EEW 1121 (ursprüngl. Kirche, aber schon in der 1. H. des 12. Jh. zur Kapelle abgesunken) | A. 16. Jh. Ruine - 1522 abgerissen und aus den Steinen Wohnhaus errichtet (dessen Wand mit Portal erhalten) |
| St. Martin | Martinsberg (heute Stadtgottesacker) | romanisch (Name vielleicht sogar karoling.) - 1235 EEW | 1547 Zerstörung im Schmalkaldischen Krieg - Steine zur Befestigung des Friedhofs |
| St. Moritz | an der Saale zwischen Böllberg und Glaucha | --- | --- |
| St. Michaelis | Ostseite Alter Markt | 11. Jahrhundert (EEW: 1211) | im 16. Jh. zum Bürgerhaus umgebaut - dieses 1906 abgebrochen |
| St. Nicolai | Ammendorf | 1286 (EEW) | --- |
| St. Nikolaus | auf der südlichen Straßenseite der Großen Nikolaistraße (nahe dem Domplatz) | erbaut vor 1100 (EEW: 1116) | schon 1182 Pfarrechte verloren - 1445 Brand - 1564 an den Rat - 1569 abgebrochen, da verfallen |
| St. Pauli | Südseite der Brüderstraße | 1121 (EEW) | 1550 abgerissen (Scholz: 1558) |
| St. Petri | Petersberg | 1214 (EEW) | 1875 für Theaterbau am Juliot-Curie-Platz abgerissen |
| Eigenkapellen? | |||
| Dreikönigskapelle (Trium Regum) | am Trödel | um 1360 erbaut | 1530 durch Hans Schenitz erworben und wohl Steinbruch für den Kühlen Brunnen |
| Zum Hl. Kreuz (Kreuzkapelle) | Rathauskapelle | 1327 (EEW) - ca. 1550 vollendet | Rathaus im 2WK schwer getroffen |
| St. Andreae | Neumarktviertel auf einem Adelshof (Ecke Breite Str./Geiststraße) | 1400 (EEW) | 1537 abgebrochen und durch das Neumarkter Rat- und Schankhaus ersetzt |
| St. Jacobi | am Sande - Stifter wohl Wiprecht von Groitzsch | romanisch (zwischen 1107 und 1119 an Kloster Pegau übertragen) | 16. Jh. säkularisiert - 1698 Bet- und Almosenhaus - 1797 wegen Baufälligkeit niedergelegt (heute Wohnhaus "Großer Sandberg 16") |
| St. Mariae Magdalenae, Wenzeslai et Wolfgangi | auf der Strohhofinsel vor dem Klaustor (heute Bebauungsgebiet "Spitze") | 1476-85 erbaut (eine Art Kalvarienberg-Kapelle) | Ratsziegelei hier erbaut |
| St. Matthiae und der 10.000 Ritter | auf dem Ritterhof derer von Grashoff | 1310 (EEW) | im 16. Jh. Garküche - Abriß 1. H. 18. Jh. |
| Hospital-Kapellen | |||
| St. Cyriaci (St. Cyriakus-Hospital) | an der Saale nahe dem Klaustor (1876 mit St. Anton nach Glaucha) | 1343 erbaut | für den Bau der Neuen Residenz 1529 abgerissen |
| St. Johannis (St. Johannis-Hospital) | neben der Moritzkirche | Hospital 1220 gegründet | im 15. Jh. eingegangen |
| St. Spiritus/Heilig Geist (St. Antonii-Hospital) | östlich der Geiststraße nahe Neuwerk (1876 mit St. Cyriaci nach Glaucha) | 1241 EEW (Pfarrzwangbefreiung von St. Laurentius) / Kapelle 1319 EEW | 1835 stehen noch ein Haus und eine Scheune des Hospitals |
| Burgkapellen | |||
| --- (eventuell St. Petrus) | Burg Giebichenstein (Oberburg) | EEW 12. Jh. | --- |
| St. Margareten | Burg Giebichenstein (Unterburg) | EEW 1121 | --- |
| Kloster-/Kirchen-Kapellen | |||
| St. Elisabeth | St. Moritz-Kirche | 1472 geweiht | heute dort eine Sakristei |
| St. Johannis | im Kreuzgang des Klosters Neuwerk | vermutlich 1317 erbaut | im 16. Jh. wurde das Kloster geschliffen (Grund: Steine für Neue Residenz) |
| St. Kunigunde | Kapelle der Deutschordens-Kommende | um 1200 / EEW: 1220 | 1535 abgerissen |
| St. Michaelis, Catherinae et Georgii | auf dem Friedhof des Klosters Neuwerk | vermutlich 1397 erbaut | im 16. Jh. wurde das Kloster geschliffen (Grund: Steine für Neue Residenz) |
| St. Nicolai | St. Marien-Kirche | 1469 (EEW) | 1530 zusammen mit der Kirche Abbruch |
| St. Wolfgang | Kleine Brauhausstraße (Servitenkloster) | vermutlich erst 15. Jh. | abgerissen - Dachreiter seit 1665 auf der (Neu-) St. Ulrich |
| Patrozinium unbekannt | |||
| --- | an der Galgstraße | --- | --- |
| --- | an der Waage | --- | --- |
EEW = Ersterwähnung
2WK = 2. Weltkrieg
30JK = 30jähriger Krieg
Insgesamt sind das 31 Kapellen, die vor 1500 entstanden und heute verschwunden sind. Die Kapellen, bei denen das genaue Datum des Verschwindens nicht bekannt ist, mußten wahrscheinlich den Bauten der Gründerzeit weichen, da sie oft schon seit der Reformation profan genutzt wurden. Eine Burgkirche/-kapelle auf Giebichenstein muß schon 1012 als Holzbau bestanden haben. Auf der Karte von Michael Scholz (Residenzforschung Bd. 7; Sigmaringen 1998) gibt es eine Kapelle nahe der Mündung der Kleinen Ulrichstraße in den Hallmarkt. Welche der o.g. dies ist, konnte ich bisher nicht herausfinden, aber vermutlich ist es die "Capelle St. Matthiae und der 10000 Ritter" (da hier ja das Graseweg-Viertel ist). Die Kapellen von Moritzburg und Neuer Residenz sind erhalten geblieben, die St. Cyriaki-Kapelle ist in Glaucha sowohl im 19., als auch im 20. Jahrhundert neu gebaut worden. Von St. Martin (Mauer Stadtgottesacker) und St. Lambert (Wand des Wohnhauses nahe dem Kühlen Brunnen: Bild 01 / Bild 02 / Bild 03) sind eventuell noch die Steine erhalten, von St. Wolfgang der Dachreiter (heute auf der (Neu-)St. Ulrichskirche). Nach Claude muß eine der beiden Kapellen des Giebichensteins schon im 10. Jh. bestanden haben, denn dort residierten ja bekanntlich die Magdeburger Erzbischöfe.
Auf den ersten Blick wirken die gotischen Kirchen von Halle recht durchschnittlich (schon öfter gehörter O-Ton: "Das ist ja alles so grau hier") und geradezu klein (mit Ausnahme der Marktkirche sind die Türme nur auf Dachhöhe), doch genaueres Hinsehen lohnt sich. Der Dom war im Spätmittelalter zweitwichtigster Sakralbau des Erzbistums Magdeburg und seine Dach-Rundgiebel gelten als die ersten nördlich der Alpen (sind laut Dehio oberitalienisch-venezianisch geprägt). Zugleich gilt das achtjochige Bauwerk nach Dehio (1999) als eine der monumentalsten deutschen Bettelordenskirchen. Kunsthistorisch wichtigste Kirche ist die achtjochige Moritzkirche, die als Durchbruch der Spätgotik in Mitteldeutschland angesehen wird (Dehio, Nußbaum), da die besondere Chorgestaltung (Dreiapsidialanlage) bei mehreren anderen Kirchen übernommen (St. Marien Bernburg, St. Nikolai Zerbst) oder in Teilen verwendet wurde (Strebepfeiler: St. Marien Weißenfels, St. Jakob Köthen, St. Wenzel Naumburg, St. Marien Freyburg; einzelne Details: St. Petri Magdeburg, Oberkirche Burg, St. Petri Quedlinburg). Sie ist somit "Gründungsbau sächsischer Chöre" (Nußbaum 1985). Die zehnjochige Marktkirche gilt als krönender Abschluß der obersächsischen Gotik ("letzte große Hallenkirche der obersächsischen Spätgotik") und wird von Nußbaum (1985) gar als "bedeutendster Bau Obersächsischer Kunst vor 1600" bezeichnet. Die sechsjochige St. Ulrich-Kirche kann mit diesen Superlativen nicht ganz mithalten, hat aber die wechselvollste Geschichte der gotischen Kirchen. Gegründet als Klosterkirche der Marienknechte "St. Maria der Serviten" wurde sie 1531 nach deren Auszug zur Pfarrkirche der St. Ulrich-Gemeinde. Diese Ulrichsgemeinde hatte eine Kirche ungefähr dort, wo sich heute das Urania-Kino (Kl. Ulrichstraße) befindet. Deshalb nenne ich die Serviten-Kirche "Neu"-St. Ulrich. 1806-36 war sie Universitätskirche und seit 1971 dient sie als Konzerthalle. Nicht verschweigen sollte man allerdings, daß sie die einzige erhaltene Serviten-Kirchen unseres Bundeslandes ist, denn in Bernburg stehen nur noch die Ruinen der Klosterkirche und in Halberstadt ist sie ganz verschwunden.
Die Häufung von Kirchen am Glauchaer Platz (Propsteikirche St. Franziskus und Elisabeth, St. Moritz und St. Georg) ist auf die Stadtgrenze zum Dorf Glaucha, dessen Pfarrkirche St. Georg war, zurückzuführen. Die Glauchaer Kirche hat eine bewegte Geschichte und weist heute (laut Eggebrecht) die größte Sitzplatz-Kapazität der Kirchen im Stadtgebiet auf. St. Moritz gilt im Außenbau als schönste historische Kirche von Halle und gehörte von Anfang an zur Stadt, wohingegen Glaucha (trotz der Nähe zur Stadtmauer) lange Zeit nur Vorort blieb. Später wurde die Straße entlang der ehemaligen Stadtmauer zur Promenade und hatte somit Repräsentationswert. Vermutlich war dies einer der Gründe für die Standortwahl der neogotischen Propsteikirche, die 1894-96 als zweite historistische katholische Kirche (nach St. Norbert 1891) entstand. Ihre besondere Lage zwischen den beiden wichtigsten evangelischen Einrichtungen Halles (Franckesche Stiftungen und St. Georg) war umstritten, da dies als Provokation aufgefaßt werden könnte. Heute steht die Kirche eingeengt zwischen dem St. Elisabeth-Krankenhaus (1925/26) und drei um die Kirche im Süden und Südwesten angeordneten Punkthochhäusern (2. H. 20. Jh.). Sie wird zudem in ihrer Straßenfrontwirkung von einer Hochstraße (1968 erbaut) enorm behindert (siehe das Bild Kirche von N 04).
Hauptgrund für den Bau der beiden katholischen und der zahlreichen evangelischen Kirchen ab Ende des 19. Jahrhunderts (Stephanuskirche 1891-93, Johanneskirche 1892-93, Petruskirche 1900-01, Pauluskirche 1900-03) war vor allem Platzmangel in den Kirchen der Stadt. Halle erlebte ab dem 3. V. des 19. Jh. einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Einwohnerzahl stieg von 35.076 (1852) sprunghaft auf 71.505 (1880), 101.401 (1890), 129.510 (1900; mit den neu eingemeindeten Orten Giebichenstein, Trotha, Kröllwitz und dem Gutsbezirk Gimritz waren es dann 156.000), 178.677 (1910) und später (1939) sogar auf 220.100 und 289.100 (1950; nach den zahlreichen Eingemeindungen). 1988 waren es (einschließlich dem erst später eingemeindeten Halle-Neustadt) sogar rund 329.500. Dieser Zuzug aus anderen Regionen verlangte nach neuen Bauten in allen Bereichen (u.a. Wohnhäuser, Kirchen, Schulen, andere öffentliche Bauten), wobei es nach dem Zweiten Weltkrieg aufgrund der politischen Lage keinerlei Kirchen-Neubauten gab, zumal keine Notkirchen notwendig waren. Die sozialistische Vorzeigestadt Halle-Neustadt (bis zu 98.000 Einwohner) wurde ohne Kirche gebaut, das Neubauwohngebiet Halle-Silberhöhe hingegen erhielt recht bald eine katholische Kirche. Halle war die viertgrößte Stadt der DDR (nach Ost-Berlin, Dresden und Leipzig; knapp vor Karl-Marx-Stadt/Chemnitz) und 1990 auf Platz 20 in Deutschland (noch vor der damaligen Bundeshauptstadt Bonn), doch seit den Ereignissen von 1989/90 gibt es einen dramatischen Bevölkerungsverlust: Innerhalb von einem Jahrzehnt verlor die Saalestadt weit über 80.000 Einwohner!
Weniger die Einwohnerzahlen, als vielmehr der bauliche Zustand spielten bei der Kirche von Nietleben (1886-90) eine Rolle. Diese wurde errichtet, weil die Kirchenruine im ehemaligen Nietlebener Ortsteil Granau endgültig aufgegeben werden mußte. Granau wurde bereits im 30JK zerstört, doch die Kirche wurde erneuert und bis in die 1880er Jahre weiter genutzt. Heute ist die Ruine als Gedenkstätte erhalten. Auch die drei historistischen Anstalts- und Krankenhauskirchen (Provinzial-Irrenanstalt Nietleben 1864, Unikliniken 1875-86, Diakonie 1893) haben ihren eigenen Entstehungsgründe, welche eng mit den jeweiligen Anstaltsbauten verbunden ist.
Die Tatsache, daß die Neogotik als Baustil für die Pfarrkirchen gewählt wurde, begründet sich ganz klar darin, daß die historische Innenstadt von vier gotischen Kirchen (Dom, Marktkirche, St. Moritz, Neu-St. Ulrich) und zahlreichen anderen gotischen Bauten (Roter Turm, Goldenes Schlößchen, Moritzburg und Türme der Stadtbefestigung) dominiert wurde. Sie wurde auch als Baustil für andere historistische Bauten (z.B. Gericht oder Stadthaus) bevorzugt. Derselbe Grund dürfte wohl auch für die Wahl der Neuromanik (siehe auch Saalkreis) im damals dörflichen Nietleben ausschlaggebend gewesen sein, denn im Saalkreis dominieren ganz klar die romanischen Kirchen (wie auch in den Randbereichen des heutigen Halle). Die Neurenaissance wirkte sich mehr im Wohnungsbau aus. Ausschlaggebend hierfür dürfte ebenfalls die Innenstadt gewesen sein, denn mit Rathaus, Marktschlößchen, den Domgiebeln, dem Bürgerhaus in der Brüderstraße, dem Jenaischen Fräuleinstift sowie den Bauten südlich des Marktes (v.a. am Alten Markt, in der Rannischen Straße und in den Märkerstraßen inkl. Großem und Kleinem Berlin) gab es durchaus etliche Vertreter, die dazu anregten. Dennoch sollte man den Zeitgeschmack nicht vergessen, der zunächst die Neuromanik, dann die Neugotik, dann die Neurenaissance bevorzugte, schließlich in einer Mischung aus Neobarock und Jugendstil mündete.
Der Bau von vier Kirchen zwischen 1926 und 1938 (Christuskirche 1926-28, Lutherkirche 1929, Zur Heiligsten Dreieinigkeit 1929-30, Heilandskirche 1937-38) läßt vermuten, daß es nach dem ersten Weltkrieg noch einmal einen industriellen Schub gab (was die o.g. Zahlen ja auch bestätigen). Das Entstehen der vier modernen Kirchen (St. Hedwig Osendorf, St. Marien Silberhöhe 1984, Hl. Kreuz 1990-91, Maria Königin des Friedens 1998) ist dagegen sehr unterschiedlich motiviert: St. Marien erklärt sich mit der Entstehung des Großwohngebietes Silberhöhe ab zirka 1980 und dem damit entstandenen Bedarf einer Kirche für die 40.000 Einwohner, die man Halle-Neustadt noch verwehrt hatte, da mit der Moritzkirche genung Platz für eine katholische Gemeinde gegeben war. Sie entstand als Filialkirche von Osendorfs St. Hedwig-Kirche (diese 1901 als Notkapelle aus Pappe & Holz; später Umbau zum Steinbau). Die Dölauer Kirche ist eine der zahlreichen katholischen Kirchen, welche seit der politischen Wende in Ostdeutschland im Entstehen sind. Die ebenfalls katholische Hl. Kreuz Kirche wurde hingegen schon zu DDR-Zeiten genehmigt und ersetzte lediglich den schlichten Vorgänger.
Zusammenfassend kann man feststellen, daß die letzten 130 Jahre sich im Kirchenbau stärker als jede andere Zeit ausgewirkt haben, denn über 40% der Kirchen des heutigen Halle enstanden seit 1860.
Quellen:
Literatur:
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