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Vergaser: Aufbau, Funktionsweise und Einstellung website counter
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Es soll ja Leute geben, die allein schon beim Wort Vergaser feuchte Hände bekommen. Ich bin aber der Meinung, daß sich jeder einmal mit dem Thema auseinandersetzen sollte, sofern er noch so ein "Relikt" in seinem Motorrad verbaut hat.

Vorweg noch ein rechtlicher Hinweis:
Ich übernehme keinerlei Gewähr für die Richtigkeit meiner Aussagen und weise hiermit ausdrücklich auf die Gefahr hin, daß bei einer falschen Einstellung des Vergasers nicht nur die Betriebserlaubnis erlischt, sondern auch ein Motorschaden die Folge sein kann!
Ich übernehme keinerlei Haftung!

Ich werde meine Erklärungen am Beispiel eines Mikuni BST-40 machen.
Der grundsätzliche Aufbau der Vergaser ist aber eigentlich immer gleich, egal welches Modell, oder Marke.

Aufbau des Vergasers:

Das folgende Bild zeigt den Vergaser von der Luftfilterseite.

Die beiden Bypässe dienen dazu, den Motor auch bei komplett geschlossener Drosselklappe noch am Leben zu halten.

Die zwei oberen Überlaufe sollen im Fall einer Schieflage des Motorrads (z.B. nach einem Sturz) verhindern, daß zu viel Sprit in den Zylinder fließen kann. Damit aber auch kein Sprit auf den Krümmer laufen kann, sollten beide Öffnungen mit Schlauchen verbunden werden, die den Sprit vom Krümmer und anderen heißen Teilen wegführen, oder in einen speziellen Behälter führen. Letzterer wird z.B. auf Kartbahnen gefordert.
Der untere Überlauf ist zum kontrollierten Ablassen des Sprits mit Hilfe der Ablassschraube gedacht. (Empfehlenswert vor längeren Standzeiten) Ist die Schwimmernadel defekt, fließt hier der Sprit ebenfalls ab, um ein Absaufen des Zylinders zu verhindern.

Der Anschluss für den Überdruckschlauch erfüllt die Funktion auch bei sehr geringem Spritdruck (z.B. fast leerer Tank), auch unter Vollast für genügend Sprit in der Schwimmerkammer zu sorgen.
Bei manchen Vergasern (z.B. 33er Gleichdruck Mikuni) ist dieser Anschluß blind. Dann kann man auf den Schlauch zum Tank verzichten, muß aber den Anschluß am Tank unbedingt Abdichten. Wird dies nicht gemacht, wird der Vergaser trotz vollem Tank nicht mit Sprit versorgt.

Der Vergaser verfügt über mind. drei unterschiedliche Düsen: Leerlauf(sprit)-, Leerlaufluft- und Haupt(sprit)düse. Allerdings kann nicht jede Düse ausgetauscht werden. Meist sind nur die Spritdüsen variabel.
Die drei Düsen sind nur über die Schwimmerkammer zu erreichen.

Im unteren Deckel verbirgt sich die Schwimmerkammer. Der Schwimmer hat die Aufgabe, das Spritniveau zu regulieren. Ist die Schwimmerkammer voll, hebt der Schwimmer die Schwimmernadel an und verschließt so die Spritleitung.
Sollte die Schwimmerkammer dennoch einmal voll laufen (Umfaller, defekte Schwimmernadel), ist im Deckel ein Überlauf integriert, über den der Sprit dann herausläuft. Damit soll ein "Absaufen" des Motors verhindert werden.
Außerdem befindet sich an der Unterseite des Deckels die Ablaßschraube, um die Schwimmerkammer z.B. beim Einwintern ohne großen Aufwand ablassen zu können.

Nimmt man den Schwimmer heraus, hat man freie Sicht auf die Leerlauf- und Hauptdüse. Diese können mit einem einfach Schraubendreher demontiert/ausgetauscht werden.



Nimmt man den oberen Deckel ab, springt einem eine etwa 10cm lange Feder entgegen. Diese drückt den Schieber samt Nadel nach unten.



Auf dem Schieber sitzt die Membran. Am oberen Ende der Nadel befindet sich der Clip Im unteren Bild ist er allerdings von einem Plastikring verdeckt. Der Clip ist aus Metall und hat im Durchmesser etwa 4mm.

Funktionsprinzip:

Beim Gasgeben öffnet man die Drosselklappe, was einen erhöhten Luftdurchsatz zur Folge hat. Allerdings wird der Querschnitt immer noch vom Schieber begrenzt. Erst wenn der Luftdurchsatz groß genug ist, bildet sich im Deckel ein Unterdruck und der Schieber wird mittels der Membran angehoben.
Im Schieber sitz die Nadel, die die Hauptdüse verschließt. Hebt sich der Schieber an, gibt die Nadel die Hauptdüse frei und die durchströmende Luft wird über den Venturi-Effekt mit Sprit angereichert. Dabei spielt die Form der Nadel eine ebenso entscheidende Rolle über die abgegeben Spritmenge, wie die Höhe des Clips. Je höher der Clip sitzt, umso tiefer hängt die Nadel im Schieber.

Einstellung:

Beim Einstellen des Vergasers ist es zuerst einmal wichtig, daß der Motor betriebswarm ist! (Öltemperatur mind. 80°C)
Außerdem läßt sich der Einflußbereich der einzelnen Komponenten nicht klar abgrenzen. Daher sollte man mit einer Standardeinstellung anfangen und sich dann langsam durch das verändern der einzelnen Komponenten an das Optimum herantasten.

Schritt 1: Standgas
Die richtige Einstellung des Standgases ist sehr wichtig, da es sich bis etwa 1/2 Gas auswirkt!
Das Motorrad möglichst waagerecht aufstellen und den Motor im Standgas laufen lassen.
Nun mit einem geeigneten Schraubendreher die Leerlaufgemischschraube langsam in beide Richtungen drehen, bis sich die maximale Drehzahl einstellt. Dann wieder etwa 1/8 Umdrehung in Richtung fett.

Schritt 2: Hauptdüse festlegen
Bei der Festlegung der Hauptdüse sollte man entweder einen Leistungsprüfstand, Erfahrungswerte, oder viiiiel Zeit zur Verfügung haben. Im Fall eines Mikuni-Vergasers würde ich euch dringend einen Anruf bei Topham (siehe Links ) empfehlen. Ansonsten gilt: Wer sich nicht sicher ist, nimmt lieber eine etwas zu große, als zu kleine Hauptdüse. Und tastet sich dann über das Kerzenbild langsam an die richtige Wahl heran.
Dabei gilt: Die beste Farbe der Kerze ist rehbraun, aber jede Kerze ist da etwas anders. Daher vor den Veränderungen das Kerzenbild (eben die Farbe) anschaun und einprägen.

Schritt 3: Nadel
Die Nadelstellung ist das Feintuning der Hauptdüse in den Bereichen 1/3 bis etwa 2/3 Gas. Eine höhere Nadel (Clip weiter unten) läßt bei gleicher Schieberstellung mehr Sprit in die Luft und umgekehrt. Dabei gilt das Gleiche wie bei der Hauptdüse: Leistungsprüfstand nutzen, Topham anrufen, oder viel Zeit mitbringen.

Schritt 4: Beschleunigerpumpe (optional)
Die Beschleunigerpumpe ist grundsätzlich nur bei Flachschiebern (z.B. Mikuni TM42) vorhanden. Sie hat die Aufgabe, das beim schnellen Gasaufreißen abmagernde Gemisch mit Sprit anzureichern. Grundsätzlich sollte mit dem spätesten Zeitpunkt und der geringsten Einspritzmenge begonnen werden. Je mehr Schwungmasse der Motor hat, ums früher und umso höher sollte die Einspritzung später sein. Je tiefer die jeweilige Schraube eingeschraubt ist, umso weniger Sprit wird eingespritzt bzw. umso später setzt die Pumpe ein.
Im Idealfall steigt die Motorleistung beim schnellen Gasaufreißen stetig an, ohne Beschleunigungsloch.

Das folgende Bild zeigt die Anordnung am Beispiel des Mikuni TM42:

Zum Einstellen des Standgases und der Einspritzpumpe empfiehlt sich ein möglichst kurzer Schraubenzieher. Ich persönlich habe einen Schraubenzieher vom Jahrmarkt genommen, abgeschnitten und neu angeschliffen. Diese Lösung ist günstig und hat sich für mich bewährt.

FAQ:

Problem: Leerlaufdrehzahl schwankt stark / wird stetig höher / geht erst nach längerer Zeit langsam auf Normalwert zurück / läßt sich mit der Leerlaufgemischschraube nicht mehr beeinflußen:
wahrscheinliche Fehlerquelle: Die Leerlaufdüse ist verstopft / zugesetzt.

Problem: Trotz Vollgas nimmt der Motor keinerlei Leistung auf und dreht nicht über 1/3 Nenndrehzahl.
wahrscheinliche Fehlerquelle: Membran ist gerissen; Schieber hängt.

Problem: Beim geöffnetem Benzinhahn tropft aus einem Schlauch unterhalb des Vergasers Sprit raus.
wahrscheinliche Fehlerquelle: Schwimmernadel defekt; Schwimmer defekt.

Problem: Motor läuft zu fett (schwarze Wolke aus dem Auspuff) im Teillastbereich, bei Vollast läuft er aber gut.
wahrscheinliche Fehlerquelle: Standgas falsch (zu fett) eingestellt; Nadel hängt zu hoch.

Problem: Motor geht beim abrupten Bremsen/Stoppie aus. Manchmal reicht es auch, im Stand zu wippen.
wahrscheinliche Fehlerquelle: Benzin schwappt aus der Schwimmerkammer in den Motor => Überfettung. Abhilfe kann ein höheres Standgas schaffen. Im Extremfall muß das Spritniveau in der Schwimmerkammer abgesenkt werden. Dazu die Schwimmer so runterbiegen, daß sie bereits bei einem geringeren Niveau die Schwimmernadel hochdrücken.


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