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Es soll ja Leute geben, die allein schon beim Wort Vergaser feuchte Hände bekommen. Ich bin aber der Meinung, daß sich jeder einmal mit dem Thema auseinandersetzen sollte, sofern er noch so ein "Relikt" in seinem Motorrad verbaut hat.
Vorweg noch ein rechtlicher Hinweis:
Ich übernehme keinerlei Gewähr für die Richtigkeit meiner Aussagen und weise hiermit ausdrücklich auf die Gefahr hin, daß
bei einer falschen Einstellung des Vergasers nicht nur die Betriebserlaubnis erlischt, sondern auch ein Motorschaden die
Folge sein kann!
Ich übernehme keinerlei Haftung!
Ich werde meine Erklärungen am Beispiel eines Mikuni BST-40 machen.
Der grundsätzliche Aufbau der Vergaser ist aber eigentlich immer gleich, egal welches Modell, oder Marke.
Der Vergaser verfügt über mind. drei unterschiedliche Düsen: Leerlauf(sprit)-, Leerlaufluft- und Haupt(sprit)düse.
Allerdings kann nicht jede Düse ausgetauscht werden. Meist sind nur die Spritdüsen variabel.
Die drei Düsen sind nur über die Schwimmerkammer zu erreichen.
Im unteren Deckel verbirgt sich die Schwimmerkammer. Der Schwimmer hat die Aufgabe, das Spritniveau zu
regulieren. Ist die Schwimmerkammer voll, hebt der Schwimmer die Schwimmernadel an und verschließt so die Spritleitung.
Sollte die Schwimmerkammer dennoch einmal voll laufen (Umfaller, defekte Schwimmernadel), ist im Deckel ein Überlauf
integriert, über den der Sprit dann herausläuft. Damit soll ein "Absaufen" des Motors verhindert werden.
Außerdem befindet sich an der Unterseite des Deckels die Ablaßschraube, um die Schwimmerkammer z.B. beim Einwintern
ohne großen Aufwand ablassen zu können.
Nimmt man den Schwimmer heraus, hat man freie Sicht auf die Leerlauf- und Hauptdüse. Diese können mit einem einfach
Schraubendreher demontiert/ausgetauscht werden.
Nimmt man den oberen Deckel ab, springt einem eine etwa 10cm lange Feder entgegen. Diese drückt den Schieber
samt Nadel nach unten.
Beim Gasgeben öffnet man die Drosselklappe, was einen erhöhten Luftdurchsatz zur Folge hat. Allerdings wird der Querschnitt
immer noch vom Schieber begrenzt. Erst wenn der Luftdurchsatz groß genug ist, bildet sich im Deckel ein Unterdruck und der
Schieber wird mittels der Membran angehoben.
Im Schieber sitz die Nadel, die die Hauptdüse verschließt. Hebt sich der Schieber an, gibt die Nadel die Hauptdüse frei
und die durchströmende Luft wird über den Venturi-Effekt mit Sprit angereichert. Dabei spielt die Form der Nadel eine ebenso
entscheidende Rolle über die abgegeben Spritmenge, wie die Höhe des Clips. Je höher der Clip sitzt, umso tiefer hängt die Nadel
im Schieber.
Beim Einstellen des Vergasers ist es zuerst einmal wichtig, daß der Motor betriebswarm ist! (Öltemperatur mind. 80°C)
Außerdem läßt sich der Einflußbereich der einzelnen Komponenten nicht klar abgrenzen. Daher sollte man mit einer
Standardeinstellung anfangen und sich dann langsam durch das verändern der einzelnen Komponenten an das Optimum herantasten.
Schritt 1: Standgas
Die richtige Einstellung des Standgases ist sehr wichtig, da es sich bis etwa 1/2 Gas auswirkt!
Das Motorrad möglichst waagerecht aufstellen und den Motor im Standgas laufen lassen.
Nun mit einem geeigneten Schraubendreher die Leerlaufgemischschraube langsam in beide Richtungen drehen, bis sich die
maximale Drehzahl einstellt. Dann wieder etwa 1/8 Umdrehung in Richtung fett.
Schritt 2: Hauptdüse festlegen
Bei der Festlegung der Hauptdüse sollte man entweder einen Leistungsprüfstand, Erfahrungswerte, oder viiiiel Zeit zur
Verfügung haben. Im Fall eines Mikuni-Vergasers würde ich euch dringend einen Anruf bei Topham (siehe
Links ) empfehlen. Ansonsten gilt: Wer sich nicht sicher ist, nimmt lieber eine etwas zu
große, als zu kleine Hauptdüse. Und tastet sich dann über das Kerzenbild langsam an die richtige Wahl heran.
Dabei gilt: Die beste Farbe der Kerze ist rehbraun, aber jede Kerze ist da etwas anders. Daher vor den Veränderungen
das Kerzenbild (eben die Farbe) anschaun und einprägen.
Schritt 3: Nadel
Die Nadelstellung ist das Feintuning der Hauptdüse in den Bereichen 1/3 bis etwa 2/3 Gas. Eine höhere Nadel (Clip weiter unten)
läßt bei gleicher Schieberstellung mehr Sprit in die Luft und umgekehrt. Dabei gilt das Gleiche wie bei der Hauptdüse:
Leistungsprüfstand nutzen, Topham anrufen, oder viel Zeit mitbringen.
Schritt 4: Beschleunigerpumpe (optional)
Die Beschleunigerpumpe ist grundsätzlich nur bei Flachschiebern (z.B. Mikuni TM42) vorhanden. Sie hat die Aufgabe, das beim schnellen
Gasaufreißen abmagernde Gemisch mit Sprit anzureichern. Grundsätzlich sollte mit dem spätesten Zeitpunkt und der geringsten
Einspritzmenge begonnen werden. Je mehr Schwungmasse der Motor hat, ums früher und umso höher sollte die Einspritzung später sein.
Je tiefer die jeweilige Schraube eingeschraubt ist, umso weniger Sprit wird eingespritzt bzw. umso später setzt die Pumpe ein.
Im Idealfall steigt die Motorleistung beim schnellen Gasaufreißen stetig an, ohne Beschleunigungsloch.
Das folgende Bild zeigt die Anordnung am Beispiel des Mikuni TM42:
Problem: Leerlaufdrehzahl schwankt stark / wird stetig höher / geht erst nach längerer Zeit langsam auf Normalwert
zurück / läßt sich mit der Leerlaufgemischschraube nicht mehr beeinflußen:
wahrscheinliche Fehlerquelle: Die Leerlaufdüse ist verstopft / zugesetzt.
Problem: Trotz Vollgas nimmt der Motor keinerlei Leistung auf und dreht nicht über 1/3 Nenndrehzahl.
wahrscheinliche Fehlerquelle: Membran ist gerissen; Schieber hängt.
Problem: Beim geöffnetem Benzinhahn tropft aus einem Schlauch unterhalb des Vergasers Sprit raus.
wahrscheinliche Fehlerquelle: Schwimmernadel defekt; Schwimmer defekt.
Problem: Motor läuft zu fett (schwarze Wolke aus dem Auspuff) im Teillastbereich, bei Vollast läuft er aber gut.
wahrscheinliche Fehlerquelle: Standgas falsch (zu fett) eingestellt; Nadel hängt zu hoch.
Problem: Motor geht beim abrupten Bremsen/Stoppie aus. Manchmal reicht es auch, im Stand zu wippen.
wahrscheinliche Fehlerquelle: Benzin schwappt aus der Schwimmerkammer in den Motor => Überfettung. Abhilfe kann ein höheres Standgas schaffen.
Im Extremfall muß das Spritniveau in der Schwimmerkammer abgesenkt werden. Dazu die Schwimmer so runterbiegen, daß sie bereits bei einem geringeren Niveau die Schwimmernadel hochdrücken.